Komm Fliegenfischen
 

Die Seite mit dem Uhu... 2020

Seite mit dem Uhu? Hierzu  kurz erklärt: Ausschlaggeben für diese Seite war mal ein Uhu, der bei uns in der Firma gebrütet hatte. Und weil das so interessant war, aber nicht zum Rest meiner Homepage passte, wurde kurzerhand die Rubrik RANDERSCHEINUNGEN gegründet. Seither gibt es hier alles Mögliche zu lesen...

Viel Spaß damit!

Bestandsaufnahme zu Pandemiezeiten 


Ich gehöre zu den braven Bürgern (manche denken da auch "doofe Bürger") die ihre Sozialkontakte deutlich runterfahren und auch einfach mal zu Hause bleiben. Klar fehlt mir da was, aber ich glaube es die Möglichkeit, meinen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie zu leisten. Deshalb mache ich da auch aus Überzeugung mit.

Wenn man dann also vermehrt zu Hause sitzt, ja dann kommt man schon mal auf solche Ideen wie "ich könnte doch eigentlich mal eine Bestandsaufnahme bei meiner Fliegenfischergerätschaft machen". Kaum war der Gedanke zu Ende gedacht, lagen auch schon (fast) alle meine Rollen auf dem Tisch... auf den Rollen dann entsprechend Schnüre teils unbekannter Herkunft... 

In der logischen Folge kam es da auch zu Optimierungen. "Wenn ich die Schnur hier auf die Rolle da Spule, dann ist die mit der Rute dort besser ausbalanciert..." Ja und ihr könnt es euch schon denken, das hat echt gedauert, aber auch einen riesigen Spaß gemacht. Ich hab jetzt meine Rollen und Schnüre wieder schüssig. Insbesondere bei der Zweihandgerätschaft wurde optimiert. Natürlich nicht ohne die zwingend erforderlichen Zukäufe.


Ferner musste ich dann feststellen, dass ich schon ein paar Erkenntnisse aus dem auf dem Tisch versammelten Material gewinnen konnte:

  1. Ja, ich habe mehr Rollen als ich wahrscheinlich wirklich brauchen würde und ja, meine Frau weiß das auch. Wir haben da ein unausgesprochenes Agreement... ich gebe keine Einschätzung zum Thema "Wie viele Schuhe braucht man denn" und Gaby macht sich keine Gedanken über solche Fragen "wie viele Rollen braucht man denn". Das tut uns beiden gut und die Wirtschaft freut sich.
  2. Desweiteren kann man feststellen, dass ich eindeutige Vorlieben habe. Das ist zum einen der Markenfetischist in mir, der mir jede Menge Vosseler beschert hat und zum anderen der Schwedenfreund, der mir sowohl die Guideline, als auch die Loop in den Rollenschrank zauberte. Kleine Eskapaden mit Gerätschaft von der Insel oder aus Übersee seien mir verziehen.
  3. Keine Sammlung ist vollständig. Es gibt noch jede Menge anderer schöner Rollen die darauf warten, in meinen Bestand aufgenommen zu werden. Da kann ich nur sagen: "Habt Geduld ihr noch ungekauften Rollen, ich bin auf dem Weg zu euch!" Mal sehen, vielleicht kommt da ja noch was von der Insel dazu... ein Engel vielleicht...

Ja, unterm Strich ist das ein bisschen bekloppt, aber irgendwie ist es auch niedlich wie man sich über so ein bisschen Alu freuen kann!

Die Gelbe Lohblüte

Ja, Pilze sind überall, auch hier bei uns in der Rubrik RANDERSCHEINUNGEN. Immer zum Herbst hin zieht es mich in die Pilze und da taucht regelmäßig auch dieser gelbige, schwammige, glibberige Pilz auf und jetzt schafft er es dann auch in die Randerscheinungen.

Klar, die Profis werden sagen "man kann das ganze Jahr über Pilze sammeln" und sie liegen damit bestimmt richtig. Ich bin allerdings noch auf dem Level "Pilze sammel ich im Herbst". Das ist für mich wie Erdbeeren, alles hat so seine Zeit und ich freu mich drauf. Der Pilz der euch da oben begegnet ist die Gelbe Lohblüte (sie hat übrigens noch zahlreiche andere, teils mehr als unschöne Namen...), googelt mal ein bisschen und schaut mal, ob ihr das Video mit der Haferflocke und dem Labyrinth findet... endgenial, mehr wird hier nicht verraten, außer vielleicht, dass die Lohblüte im Labor bis auf eine Fläche von 5 m² gebracht wurde... auf den Bildern unten seht ihr die Lohblüte in verschiedenen Entwicklungsstadien.


1937 - Hardy's Anglers' Guide

Neulich hat mir Christian eine Nachricht geschrieben... ich sollte mal in meinen Briefkasten schauen, er hätte da einen Umschlag reingeworfen... Also, etwas früher Feierabend machen und mal schauen, was es da denn im Briefkasten so gibt. Auf der Heimfahrt kreisten dann die Gedanken... "Christian... Umschlag... Briefkasten... schön..." Damit war auf jeden Fall klar, dass es etwas mit HARDY zu tun hat. Eine Rute war bei mein meiner aktuellen Briefkastengröße unwahrscheinlich... da passt auch keine Smuggler rein. Für eine Rolle ist der Schlitz zu schmal... außerdem mag ich den "Krach" nicht... ok, das würde Christian auch nicht davon abhalten, das als "schön" zu bezeichnen und sich mächtig darüber zu freuen.

Endlich zu Hause, ran an den Briefkasten, Umschlag gefunden... und meine Theorie war bestätigt: keine Rute, keine Rolle, aber was von Hardy!!! 

Die 55te 

Man kann heutzutage tatsächlich noch einen Katalog von Hardy aus dem Jahre 1937 im Original erstehen, das dann in einen Umschlag packen und bei einem befreundeten Fliegenfischer in den Briefkasten werfen... das führt dann unweigerlich zu Rückmeldungen wie "das glaub ich jetzt mal nicht... wie geil ist das denn...". Nicht zuletzt auch, weil das schon die 55te Auflage ist! Was dann sin so einem Katalog alles zu finden ist muss man selbst erfahren. Hier ein paar meiner Eindrücke. Die Bilder dazu findet ihr am Ende des Artikels.

Firmengeschichte 

Im Hardy's Anglers' Guide findet ihr natürlich Infos zur Firmengeschichte und ein paar Bilder von Fischzügen an mehreren Stellen im Katalog verteilt. Sehr interessant zu lesen... insbesondere auch, dass da jede Menge Lorbeeren für den Rutenbau eingeheimst wurden...

Cascapedia

Gibt’s doch gar nicht, war die Cascapedia doch schon 1933 im Sortiment bei Hardy. Die gibt es heute ja noch. Sie liegt je nach Modell so um 600 bis 700 Euro.  Zur preislichen Einordnung lest doch auch mal weiter unten in dem Kapitel "Währungssystem".

Vorläufer zum Leatherman

Der Leatherman für Fliegenfischer (schaut mal bei den Bildern unten) war ganz offensichtlich auch schon 1933 erfunden. So was müsste einem doch mal über den Weg laufen... vielleicht können die Englandfahrer unter uns die Augen für uns offen halten.

Rutenaufbau

Ich oute mich als Unwissender! Offensichtlich war man auch in der Zeit im Rutenbau kreativ und ist bei Bambusruten auf die Idee gekommen einen Stahlkern einzubauen oder in zweit Ringen zu kleben. Das habe ich zuvor noch nicht gehört. Da muss ich doch direkt an die Ausführungen von Rolf Baginski denken. Er hat uns mal die neuen Versuche mit dreieckigen Blanks erläutert...   

Angsthaken    

Ja was sehe ich denn da? Da hat man seinerzeit schon die Angsthaken mit eingebaut, um die Zahl der Fehlbisse zu reduzieren. Wird heute noch alle paar Jahre in den Fachzeitschriften als Neuigkeit verkauft…

Fliegen

Das sind nur ein paar der Fliegen die im Katalog feilgeboten werden. Der Druck ist hier in der Regel farbig! Daddy Longleg war seinerzeit schon dabei.

Trockengestell

Die Technik war damals Standard und wird heute auch wieder von Lutz eingesetzt. Wer auf Seidenschnüre setzt, der muss so was haben!

Trinken

Wir sind seelenverwandt. Ein kleiner Schluck auf die schöne Zeit am Wasser darf schon mal sein, man muss das Lebenswasser nur noch stilsicher an den Fluss bekommen.

Aufbewahrung

Das ist doch mal ein Schrank der unsere Ruten nicht nur aufbewahrt sondern gleichzeitig auch präsentiert! 

Bevor es zu den Bildern geht, hier noch ein Versuch zur geldlichen Einordnung dessen, was ihr da sehen werdet...

Das Währungssystem und ein Versuch der Einordnung

Wenn man den Katalog dann in den Händen hält, schweift der Blick auch mal auf die Preisangaben. Das zu verstehen ist nicht ganz einfach… ich hab da mal was gegoogelt:

1971 gab es bei dem Pfund Sterling eine Umstellung auf das Dezimalsystem. Seither entsprechen 100 Pence einem Pfund Sterling. In der Zeit davor – und aus dieser Zeit stammt ja der Katalog – war das etwas komplizierter… es gab neben Pfund und Penny auch noch Schilling. Ein Pfund Sterling (£) wurde in 20 Schilling geteilt, jeder Schilling (s) wiederum entsprach 12 Pence und somit waren dann 240 Pence (früher mit „d“ abgekürzt wg. der Ähnlichkeit zu einer Münze namens „Denar“, erst ab 1971 dann mit „p“, bitte nicht fragen wieso…) einem Pfund gleichzusetzen… Nach meiner derzeitigen Einschätzung (ich bin bereit die jederzeit zu ändern) nutzt der Katalog diese Währungseinteilung.

Hier ein paar Übungen zu den Preisangaben im Katalog:

  • Ein Preis von £7 2 6 (z.B. eine der Fliegenruten) meint 7 Pfund, 2 Schilling und 6 Pence.
  • Die lapidare Angabe 6/- (für ein Dutzend Demons) meint meiner Meinung nach dann wohl 6 Schilling und „0“ Pence.
  • Die Cascapedia 3/0 lag damals bei 155/-… ja und da hab ich dann ein großes Fragezeichen… ich sag mal: das wären nach meiner Theorie von oben 155 Schilling… das wären aber auch 7 £ und 15 Schilling. Wieso dann also nicht £ 7 15? Vielleicht weiß jemand was dazu zu berichten… schreibt mir einfach eine Mail.

Jetzt muss natürlich so eine Preisliste ins Verhältnis zu den damaligen Einkommen gesetzt werden. Das Durchschnittseinkommen lag im Deutschen Reich um 1925 bei 140 Reichsmark. Ein Pfund Sterling war etwas mehr als 20 Reichsmark wert. Demzufolge wäre das Durchschnittseinkommen mit rund 7 Pfund Sterling gleichzusetzen.

Wer also als „Durchschnittsverdiener“ eine Fliegenrute oder eine Cascapedia haben wollte musste mindestens mal einen Monatslohn auf den Tisch des Hauses legen… das ist mal ein Wort, zumal man  nur mit einer Rolle ausgestattet schlecht zum Fischen gehen kann… 

Übrigens: wer einen schönen Artikel zu dem Thema lesen will, den verweise ich auf "Im Dutzend teurer" in der Ausgabe des Spiegel 49/1961... echt lesenswert! Gibt es auch im Download bei Spiegel dirket... hier der LINK. Die drohende Umstellung auf das Dezimalsystem sollte dann 10 Jahre später Wirklichkeit werden.

Und jetzt die Bilder...

Anfang der Gaststrecke Schöpppingen verlegt?

Liebe Schöppinger, ich glaube euch ist da was abhanden gekommen. Bei der diesjährigen Vechtebegehung von Metelen bis Brüningmühle finden wir kurz vor dem Ziel ein Schild mit der Aufschrift "Anfang der Gaststrecke ASV Schöppingen"... ein langes Stück Draht und ein Baum. Kann es sein, dass euer Baum baden gegangen ist und flussab bis hinter Brüningmühle gekommen ist?

Das hört sich absolut unwahrscheinlich an, aber was Besseres ist uns nicht eingefallen. Wenn ihr euer Schild also wieder zurück haben wollt, dann geht bis zum "Ende-Schild" unterhalb Brüning Mühle, dahinter liegt der Baum mit Öse, Draht und Gaststreckenschild...